Foto: Salon5
Im Mai und Juni 2026 haben wir am Reinoldus- und Schiller-Gymnasium zum ersten Mal unser Zusatzangebot „Medienkompetenzen“ durchgeführt. In Kooperation mit Salon5 arbeiteten wir in vier Tagen mit freiwilligen Schüler*innen der 8. Klasse und hatten mit ein paar 9. Klässler*innen auch Jugendliche dabei, die nicht in „unseren“ Klassen sind.
Die Themen ihrer Präventionsvideos überlegten sich die Jugendlichen eigenständig. Besonders häufig wurden Themen mit dem Schwerpunkt „Sexismus“ gewählt. Die Videos zum Thema Sexismus zeigten, dass die Jugendlichen sich schon häufiger mit dem Thema beschäftigt haben und in ihrem Alltag mit sexistischen Narrativen konfrontiert sind.

Die Kolleg*innen von Salon5 führten die Jugendlichen anhand von Inputs und Beispielmaterial Schritt für Schritt zu einem professionellen Video. Die Schüler*innen lernten unter anderem was sie bei der inhaltlichen Recherche beachten müssen, wie sie ein gutes Skript vorbereiten sowie Tipps und Tricks, ihr Video besonders spannend zu gestalten. Am Ende entstanden 6 Videos zu den Themen Rassismus und Sexismus, die wir am letzten Projekttag gemeinsam anschauten.
Obwohl die Jugendlichen nicht viel Zeit zur Verfügung hatten, haben sie wirklich tolle Videos erstellt. In nur 1 – 2 Minuten machten sie in altersgerechter Sprache auf wichtige Aspekte und Problematiken ihres Themas aufmerksam und bauten zusätzlich noch abwechslungsreiche Aspekte und Perspektiven ein – würden uns diese Videos auf Social Media angezeigt, würden wir bestimmt nicht weiter scrollen!
An dieser Stelle möchten wir einen kleinen Einblick geben, welche Themen die Jugendlichen in ihren Videos behandelt haben:
In den Videos über Rassismus griffen die Jugendlichen verbreite rassistische Narrative auf entkräfteten diese mit einem Realitätscheck. Dabei fokussierte sich eine Gruppe auf Rassismus im Schulalltag. Dabei erklärten sie zunächst, was Rassismus ist und wie verbreitet er im Schulalltag ist. Um wirksam etwas dagegen zu tun, forderten die Schüler*innen unter anderem Beratungsstellen und regelmäßige Bildungsangebote zu den Themen – nicht nur für die Jugendlichen sondern auch für die Lehrkräfte.
Einen besonderen Fokus legten sie auf die Perspektive Betroffener: „Betroffene Kinder brauchen in erster Linie ernstgemeine Solidarität.“ Diese zeige sich in Zusammengehörigkeit, Unterstützung, sichere Räume und sensibilisierte pädagogische Fachkräfte. Abschließend machten sie auf lokale Beratungsstellen aufmerksam, indem sie unter anderem die Kontaktdaten der Antidiskriminierungsberatungsstelle ADIRA eingeblendet haben, über die wir auch in den Workshops mit den Jugendlichen gesprochen haben.
In zwei Videos erklärten die Jugendlichen anhand von gängigen Vorurteilen gegenüber Jungs und Mädchen bzw. Männer und Frauen, was Sexismus ist, in welchen verschiedenen Formen er sich äußern kann und wie verbreitet er ist. Mit den Filmen Barbie und Die Fünf Freunde nannten sie alltagsnahe Beispiele, in denen Geschlechterstereotype verbreitet sind.
Die Jugendlichen machten deutlich, dass diese geschlechterstereotype Prägung bereits im Kindesalter beginnt. Sie sensibilisierten dafür, welche Folgen es haben kann, wenn Jungs und Mädchen immer wieder mit denselben Sprüchen konfrontiert werden: „Diese Klischees können euch auch schon in jungen Jahren daran hindern, Euch frei zu entwickeln.“ Auch ein Appell an die Zuschauenden durfte nicht fehlen: „Also denkt beim nächsten Mal ‚war doch nur Spaß‘ kurz nach. Wieso sollten Menschen in Schubladen passen, wenn sie einfach sie selbst sein können?“
Ein anderes Video setzte sich mit dem Gender-Pay-Gap auseinander. Zwei Schülerinnen merkten, dass sie in ihrem (fiktiven) Ferienjob 1,60 € weniger pro Stunde verdient haben als ihr Mitschüler. Sie benannten verschiedene Ursachen dafür und erklärten im Zuge dessen den Unterschied zwischen dem unbereinigten und bereinigten Gender-Pay-Gap. Dabei machten sie auf die Folgen des Gender-Pay-Gaps für Frauen aufmerksam, zum Beispiele eine deutlich niedrigere Rente als die der Männer.
In dem Video „Feminismus vs. Männerhass“ setzten sich die Jugendlichen humorvoll mit typischen antifeministischen Narrativen auseinander. Während zwei Schülerinnen in gespielter Empörung gängige Mythen über Feminismus äußern, spielte ein Schüler den „Mansplainer“ und klärte die Zuschauenden auf. Die Jugendlichen entkräfteten die oft verbreitete Behauptung, Feministinnen würden Männer hassen: „Feminismus ist kein Männerhass. Feministen sind gegen das System bei dem Frauen weniger berechtigt werden als Männer.“ Nach einem Einspieler einer Sängerin, die im Interview sagt, sie würde sich nicht als feministisch bezeichnen, da sie einen tollen Mann hat und Männer mag, resümieren sie: „Und genauso wird Feminismus missverstanden.“
Am Ende positionieren sich auf die Schülerinnen, die vorher eine andere Rolle gespielt haben: „Es ging nie darum, dass wir Feministen Männer hassen, sondern wir kämpfen nur für die Gleichberechtigung weltweit.“
Besonders gefreut hat uns, dass wir bei den Videos zum Thema Rassismus Aspekte aus unseren Workshops wiedererkennen konnten, die offensichtlich bei den Jugendlichen in Erinnerung geblieben sind. Wir betrachten dies als Erfolg unserer Workshops. Die Videos zum Thema Sexismus, das wir erst im kommenden Halbjahr besprechen werden, zeigen uns, dass das Thema bei den Jugendlichen präsent ist und dass sie bereits ein kritisches Bewusstsein gegenüber sexistischer Diskriminierung entwickelt haben.
Wir freuen uns sehr, das Projekt in dieser oder ähnlicher Form im kommenden Schuljahr auch an unseren anderen Kooperationsschulen durchzuführen.
Wir danken Salon5 für die gute und interessante Zusammenarbeit!
